Ein herrlicher Duft zieht durch die Küche

Frechener Frauenunion unterstützt Kochprojekt mit Flüchtlingen

Es gibt wohl nirgends auf der Welt einen geselligeren Ort als die Küche. Oder um es mit dem französischen Meisterkoch Escouffier zu sagen: „Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks“. Das Integrationsprojekt „Von Tellerrand zu Tellerrand“ will Menschen miteinander verbinden – in dem sie gemeinsam kochen, essen, sprechen und sich kennenlernen. Und so trafen sich 20 Frauen aus Deutschland, Syrien, Afghanistan, Jordanien, Iran und Marokko im CJD-Bildungswerk in Frechen. Jede von ihnen hatte ihre eigene Geschichte und ein ganz spezielles Rezept mitgebracht.

Dort wo sonst junge Menschen im Fach Hauswirtschaft ausgebildet werden, gab es erst eine kurze Begrüßung. Dann wurden die Frauen in Vierergruppen aufgeteilt und es ging an die Kochinseln. Die Zutaten für Kubbe, Sambosak und Putenbraten standen schon bereit. Und dann ging es auch schon los – Zwiebeln  schneiden, Kräuter zupfen, Nüsse hacken, Fleisch würfeln und Wasser aufsetzen. Schon nach kurzer Zeit zieht ein herrlicher Duftmix von Zimt und Zwiebeln durch die große Küche.

Schnell wird es lebhaft

Alle Frauen arbeiten sehr konzentriert, trotzdem ist es sehr lebhaft, überall wird gesprochen. Wo ist das Salz? Wo ist ein großer Topf? Vorsicht, da kocht was über. Für die Kubbe – mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen – bereitet Nawal aus Syrien Burghul vor. „Essen in Gesellschaft macht mehr Spaß und Essen ist mehr als nur satt zu werden“, sagt sie. Sie wird von einer Freundin unterstützt. Denn jede Köchin sollte auch noch einen Gast mitbringen. So ist es recht eng in der sonst so geräumigen Küche.

Eine Kochinsel weiter wird bereits der Putenbraten mit Brühe und gehackten Zwiebeln aufgefüllt. Ein Rezept von Angelika Münch, Vorsitzende der Frechener Frauenunion, die das Projekt von Tellerrand zu Tellerrand mit initiiert hat. „Es ist doch eine wunderbare Gelegenheit zum Annähern der Kulturen“, freut sie sich. „Damit wir mit unseren zugewanderten neuen Bürgern hier leichter zusammenwachsen“. Das Projekt kommt bei allen Frauen sehr gut an, das sieht man schon nach kurzer Zeit.

„Es ist mir ein echtes Herzensbedürfnis diesen Frauen zu zeigen, sie sind nicht allein und hier herzlich willkommen“, sagt Corinna Brückner, die die Idee zu diesem Integrationsprojekt hatte. Sie kümmert sich gleich um zwei Sachen, die eine Gemeinsamkeit haben, aber unterschiedlicher nicht sein könnten – Reibekuchen und Schokoladenkuchen. Und eben solche Gegensätze machen den Reiz aus, findet Brückner. Jedoch ohne Sylvia Knecht wäre das Integrationsprojekt im CJD möglicherweise nicht umgesetzt worden. „Sylvia hat Corinna Brückner und mich zusammengebracht und so uns allen zu dem tollen Zusammensein verholfen“, sagt Angelika Münch.

In andere Kochtöpfe schauen

Überall ist geschäftiges Treiben, ein Hähnchen wird mit Zitrone und einer orientalischen Sauce eingerieben, bevor es in den Ofen geschoben wird. Teig wird ausgerollt und mit einer würzigen Spinatmischung gefüllt. „Sambosak heißt das Gericht“, sagt Asmaa. „Ich koche gerne für andere.“ Immer wieder schauen die Frauen auch an den anderen Herden und Öfen vorbei. Was wird wohl dort gekocht? Und es werden kleine Tipps ausgetauscht. Miteinander reden, funktioniert schon mal ausgezeichnet.

Langsam werden alle Gerichte fertig und bekommen ihren letzten Schliff. Hier werden Tomaten zu dekorativen Röschen geschnitzt. Hier Sahne für den Apfelstrudel geschlagen, die Sauce gebunden und das Hähnchen garniert. Alles wird im Nachbarraum auf eine lange Tafel gestellt. Schnell werden mit dem Smartphone Bilder aller Gerichte gemacht. „Denen zu Hause den Mund wässrig machen“, sagt eine Teilnehmerin. Dann wird probiert und gekostet und ständig geht ein vielstimmiges „mhhhh“ durch den Raum. Ob „Afghanischer Kapitän“, Hähnchen, mit Ziegenkäse überbackene rote Beete und Apfeltiramisu alles erntet Lob der anderen Köchinnen.

Die Tische sind nett gedeckt, jede der Frauen hat von allem etwas auf ihrem Teller. Es schmeckt allen, das sieht deutlich. Nun ist auch Zeit, sich zu unterhalten. Etwas über sich zu erzählen, sich auszutauschen. Oder von seiner Geschichte zu berichten. So wie eine junge Frau, die bereits 1997 als damals 15-jährige mit ihren drei kleinen Geschwistern aus Afghanistan flüchten musste. Darüber, dass die Schlepper ihre Eltern nicht mitgenommen hatten. Es ist still am Tisch, alle hören gespannt zu, fragen nach und sind sichtlich beeindruckt.

Weitere Kochabende sind geplant

Es war dies der Auftakt zu einer Reihe ähnlicher Kochrunden, sagt Corinna Brückner Organisatorin des Projektes „Von Tellerrand zu Tellerrand“. „Viele der Frauen, die jetzt aus schlimmer Not zu uns nach Deutschland gekommen sind, sind im Alter meiner Töchter“, sagt Corinna Brückner. Sie und Angelika Münch hoffen, dass diesem Kochevent mit Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern noch weitere folgen werden. „Dieser Abend hat schon sehr viel Spaß gemacht“, freut sich Münch.

Brückners Dank geht auch an die Sponsoren und Unterstützer, wie Ikea, Rewe und dem CJD-Bildungswerk Frechen. „Das wir hier kochen und essen durften“. Der Dank geht auch an die Frechener Frauenunion, die das Projekt mit initiiert und intensiv begleitet hat. Spät endet auch dieser gesellige und schmackhafte Abend und jede der Teilnehmerinnen nimmt etwas davon mit nach Hause. „So funktioniert Integration“.