Zukunft Frechens anpacken

Bis 2038 soll Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen. Das empfiehlt jedenfalls die Kohlekommission. Der Kohleausstieg wird auch in Frechen gravierende Spuren hinterlassen, arbeiten doch alleine bei RWE in der Fabrik Wachtberg und der Hauptwerkstatt in Grefrath mehr als tausend Menschen. Daneben gibt es noch eine Reihe Zulieferer und Partnerfirmen, die ebenfalls enorm von RWE und der Braunkohle abhängig sind.

„Auch wenn das endgültige Aus der Kohle erst 2038 ist, müssen wir jetzt schon die Weichen für Frechens Zukunft stellen“, sagt der CDU-Vorsitzende Stefan Hoss. Fraktion und Stadtpartei haben sich bereits gemeinsam intensiv Gedanken darüber gemacht, wie sich Frechen nach 2020 weiterentwickeln soll. Und wie der Strukturwandel vollzogen werden soll. In einer Klausurtagung der Partei wurden zusammen mit der Bürgermeisterin Susanne Stupp erste Ideen dazu entwickelt und vier Kernthemen definiert:

  1. Soziale Infrastruktur

Dabei geht es u. a. um die bedarfsgerechte und finanzierbare Bereitstellung von Schulraum inkl. OGS, um Inklusion sowie Kinderbetreuung in KiTa und Tagespflege. Die Jugendarbeit soll strategisch ausgerichtet werden, z. B. auch zu mehr mobiler Jugendarbeit und einer besseren Integration. Geklärt werden muss auch die Frage, wie viele Flächen stehen Kindern und Jugendlichen in Frechen zur Verfügung und reichen die aus?

Sport ist ein wichtiges Thema. Und die damit verbundene Frage, wie sieht es mit unseren Sportflächen aus? Wo ist noch Bedarf und wo muss noch ausgebaut werden. „Unsere Gesellschaft wird immer älter und so muss das Angebot für unsere älteren Mitbewohner angepasst werden“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Karla Palussek. Schließlich ist die Integration der Zugezogenen eine weitere wichtige Aufgabe, der sich die CDU widmen möchte.

  1. Mobilität

Der motorisierte Individualverkehr wird sich ändern. Und dafür müssen auch in Frechen die Voraussetzungen geschaffen werden. „Wir wollen darüber hinaus den ÖPNV, den Fahrrad- und Fußgängerverkehr ausbauen“, schlägt Stefan Hoss vor. Auch in dem mehr auf Car- und Bikesharing gesetzt wird. Trotzdem müssen Innenstadt und die Stadtteilzentren für Besucher und Kunden erreichbar bleiben. Wo und wie viele Parkplätze werden künftig noch benötigt? „Wir können uns hier auch Ideen aus anderen Städten holen, zum Beispiel aus Kopenhagen, wo Städteplaner und Architekten Plätze, Wege und Straßen neu- und umgeplant haben“, sagt Palussek. „Wir müssen Verkehr hier einfach neu denken“.

  1. Strukturwandel und Energiewandel

Durch den Kohleausstieg fallen auch in Frechen hunderte Arbeitsplätze weg. Die Stadt hat bereits viele Erfahrungen mit dem Strukturwandel früherer Jahre gesammelt. Zunächst gilt es, den jetzigen Zustand zu ermitteln, um dann Maßnahmen zu ergreifen, den Wandel anzugehen. „Die Stadt muss auf diesen Wandel reagieren, z. B. in dem sie Gewerbeansiedlungen voran treibt, bestehende Flächen möglicherweise umwidmet und Alternativnutzungen prüft“, sagt Stefan Hoss.

Der Bund will mit Milliarden Euro den Kohleausstieg finanzieren, das Geld stehe im Bundeshaushalt zur Verfügung, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Frechen muss sich rechtzeitig um entsprechende Förderprogramme bewerben. „Frechen soll auch künftig ein Energiestandort bleiben, wir müssen bald klären, wo bei uns erneuerbare Energien aufgebaut und eingesetzt werden“, sagt Karla Palussek.

  1. Stadtentwicklung

Frechen wächst! „Das darf nicht unkontrolliert passieren, sondern muss gesteuert werden“, sagt Stefan Hoss. Und wie richtet sich Frechen künftig aus – als Einpendlerstadt, weiter als Industriestandort oder als Dienstleistungs- und Technologiestandort. Die CDU will den eingeschlagenen Weg weiter fortschreiben, in dem der Masterplan Frechen 2030 umgesetzt und weitergeführt wird. „Da sind alleine noch viele Fragen zu klären, was und wie gebaut wird. Z. B. bezahlbarer Wohnraum, Mehrgenerationenhäuser oder der Mix aus Wohnen und Arbeiten“, meint Karla Palussek.

Es ist dies ein erstes vorläufiges Konzept, dass permanent ergänzt und weiterentwickelt werden soll. „Diese vier Kernthemen möchten wir zusammen im Dialog mit den CDU- Mitgliedern und danach auch mit den Frechener Bürgerinnen und Bürgern diskutieren und ausarbeiten. Wir brauchen eine mutige Strategie, Visionen und innovative Planungen für Frechens Zukunft“, sagt Hoss.

Kippels informierte über Kohleausstieg

Der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Rhein-Erft-Kreis, Dr. Georg Kippels, hat Fraktion und CDU-Stadtverband in einer gemeinsamen Sitzung über den Strukturwandel referiert. „Wir danken Herrn Kippels für wertvollen Informationen zum Kohleausstieg“, sagt die CDU Fraktionsvorsitzende Karla Palussek.

 

Erste konkrete Vorschläge haben Fraktion und Partei auch schon erarbeitet:

  • So könnte die Park & Ride Fläche auf der Südseite des Königsdorfer Bahnhofs umgebaut werden. Stichwort Stelzenhäuser. „Dort könnte eine Kombination aus Parkplätzen in einer Tiefgarage/Parkpalette und Gewerbeflächen entstehen“, so Hoss. Finanziert durch Gelder eines Investors und staatlichen Zuschüssen. „Dadurch können neue und hochwertige Arbeitsplätze und gleichzeitig weitere Pendlerparkplätze entstehen“, hofft Hoss.

 

  • Das Zukunftsnetz Mobilität NRW und der Nahverkehr Rheinland (NVR) unterstützen Kommunen, die so genannte Mobilstationen aufbauen wollen. Mobilitätsstationen sind Verknüpfungspunkte, die den Nutzern einen einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln ermöglicht. Der NVR hat bereits mögliche Standorte in Frechen genannt, die dafür in Frage kommen: Frechen Bahnhof und Rathaus, Benzelrath, Habbelrath und Königsdorf. „Dies sollten wir aktiv weiter verfolgen“, sagt Karla Palussek.

 

  • Frechen muss ein Standort für modernes Gewerbe werden. „Ein so genannter Gründer-Campus wäre ideal für Frechen. Hier könnten Start-ups und neugegründete innovative Unternehmen einen Platz finden“, hofft Palussek. Da es sich in der Regel um umweltfreundliche Unternehmen handelt, ließe sich hier auch Büro-, Gewerbe- und Wohnflächen kombinieren. Um Gründer für das Projekt und Frechen zu begeistern, können Kooperationsvereinbarungen zum Beispiel mit den Gründungsbüros der Uni Köln und den verschiedenen Hochschulen geschlossen und vereinbart werden.